Kurzgeschichten: Hochzeitsnacht Mit Dem Sanderson Clan


Hochzeitsnacht Mit Dem Sanderson Clan -


DIE BRAUT DES PATRIARCHEN

„Alles für den Stammbaum …“

Das hatte Adam zu ihr gesagt. Nina ließ sich seufzend auf das Ehebett sinken und allmählich glaubte sie zu begreifen, was ein Clan wie die Familie Sanderson unter diesem Motto verstand.

War es schon entwürdigend gewesen vor den Augen seiner beiden Schwestern und seiner Mutter auf den Schwangerschaftstest zu pinklen, nur um zu beweisen, dass sie Adam nicht das Kind eines anderen unterschob – dafür war sie nahezu einen Monat lang von der Außenwelt abgeschottet worden. Nein, jetzt sollte sie auch noch vor den Augen der gesamten Familie die Hochzeitsnacht mit Adam vollziehen!

Ihr Herz wummerte von innen gegen ihre Rippen. Ihre Schläfen pochten. Jetzt kam es ihr wie ein schlechter Witz vor, als er ihr vor einem Jahr offenbart hatte, dass es in seiner Familie gewisse Traditionen gäbe. Strenge Traditionen, die sie eventuell abschreckend finden könnte. Traditionen, die nichtsdestotrotz um jeden Preis eingehalten werden müssten.

Eine dieser „Traditionen“ war es auch gewesen, vom Arzt der Familie untersucht zu werden, um ihr die „Ehetauglichkeit“ zu bescheinigen. Sie hatte es so entwürdigend gefunden, mit weit gespreizten Beinen auf dem Gynäkologenstuhl zu sitzen und die Prozedur über sich ergehen zu lassen. „Soll ich jetzt auch noch zwei Meilen unter fünfzehn Minuten laufen?! Fünfzig Liegestütze machen?! Oder vielleicht noch einen Hindernisparcours absolvieren?!“

Adam hatte jedoch nur gelacht und gemeint, dass er von Anfang an davon überzeugt gewesen wäre, dass sie bestehen würde. „Du heiratest in eine der wohlhabendsten Familien des Landes ein. Ein Leben wie bei uns – den Luxus, die Macht, den Ruhm … Das alles kann dir niemand sonst bieten. Als Familienmitglied der Sandersons wirst du dir nie wieder Sorgen machen müssen. Es wird für dich gesorgt werden. Immer …“ Das war vor einem Jahr gewesen. Danach hatten sie die Verlobungsfeier im großen Garten hinter dem herrschaftlichen Anwesen des Clans gefeiert. Und all die älteren Onkel und Anverwandten hatten sie so komisch angesehen. Als würden sie ein neues Rennpferd begutachten. Was jetzt sogar irgendwie Sinn ergab. Sie hatten damals schon gewusst, was sie erwarten würde. Sie nicht!

„Nina? Bist du bereit?“

Auf wieselflinken Zehenspitzen huschten Diane und Fabienne ins Schlafgemach.

Nina klappte das Kinn herunter. Sie wusste nicht, ob sie bereit war. Sie wusste gar nichts mehr.

„Komm, wir helfen dir, dich auszuziehen.“ Diane zog sie an den Armen hoch und öffnete den hinteren Reißverschluss ihres Hochzeitskleids.

„Ich habe dir das nie gesagt, aber wir sind so froh, dass unser Bruder dich gefunden hat. Nicht war, Fabienne?“

Fabienne nickte nur in Gedanken versunken. Was Diane an Quirligkeit mitbrachte, war bei Fabienne eine geradezu nachdenkliche Ruhe. Schwer zu glauben, dass die beiden Schwestern waren. Sie sahen sich auch gar nicht ähnlich. Diane war blond und blauäugig, Fabienne dagegen hatte schwarzrotes Haar und dunkelgrüne Augen. Sie sah damit Adams Großonkel Montgomery bei Weitem ähnlicher als ihrem eigenen Vater – dem Patriarchen, Adam Sanderson dem Fünften. Adam würde der Sechste in der Linie sein.

Im Nu stand Nina in schneeweißen Dessous vor ihren Schwägerinnen. Weiße, französische Seidenspitze, wohin man auch blickte. Ein hauchdünnes Nichts von einem Höschen, das ihre Scham so gut wie nicht verbarg. Ein Büstenhalter, der die Fülle ihrer Brüste kaum im Zaum halten konnte. Strümpfe, die in dezent geblümten Abschlüssen endeten und mit aufregenden Strapsen auf Position gehalten wurden. Dazu ein blauer Strumpfhalter, der nichts zu halten brauchte …

Vorsichtig entfernte Fabienne ihren Schleier und dann ihre schneeweißen High Heels.

„Wunderschön“, hauchte Diane und schenkte ihr einen sanften Kuss.

Nina schluckte und strich sich über die Lippen. Sie … Sie hatte noch nie ein Mädchen geküsst. Das Gefühl, das auf sie einstürmte, war verwirrend und erregend zugleich.

„Vielleicht können wir ja Freundinnen werden.“

Ja, vielleicht. Nina atmete tief durch. Aber dafür musste sie zuerst einmal die Hochzeitsnacht überstehen.

Fabienne zog ihr das Höschen und den BH aus. Nur noch in Strumpfhalter und Strümpfen stand sie da.

„Keine Angst. Adam ist ein wundervoller Liebhaber.“ Diane nickte aufmunternd.

Nina schluckte.

Woher … Woher wollte sie das wissen?

Fabienne löste den Knoten in Ninas Haar und ließ es luftig über ihre Schultern fallen. Sanft aber bestimmt positionierten ihre Schwägerinnen sie auf dem Bett.

„Perfekt“, kommentierte Fabienne nur.

„Keine Sorge, du bekommst das schon hin.“ Diane lächelte zum Abschied.

„Ihr … Ihr könnt mich doch nicht alleinlassen!“, flehte Nina.

„Es ist DEINE Hochzeitsnacht“, erwiderte Diane errötend. „Irgendwann tust du dasselbe einmal für mich.“ Damit verschwanden sie und Fabienne durch den hinteren Eingang des Schlafzimmers hinaus.

Und schon klopfte es. Die große doppelflügelige Tür schwang auf und …

„Ist die Braut bereit?“ Polternd betrat Großonkel Montgomery das Schlafgemach. Sein tiefes Lachen dröhnte von den Wänden wider. Nina zuckte zusammen. Ihm folgten noch unzählige andere Männer. Der gesamte männliche Teil der Sanderson Familie schien sich im Schlafgemach einfinden zu wollen. Mindestens ein Dutzend breitschultriger Kerle in Smokings. Alle hielten sie schlanke Champagnergläser in der Hand. Ihrem weinseligen Lächeln und dem heiteren Gemurmel nach zu urteilen, hatten sie schon ordentlich vorgefeiert.

Und der stolze Bräutigam folgte unter Beifallsbekundungen hinten nach.

„Na los, du Hengst, zeig, was du kannst.“

„Junge Stuten müssen ordentlich zugeritten werden.“

„Aber nicht von dir.“

„Was soll das denn heißen? Ich habe eine eigene Pferderanch!“

„Ja … eine mit Schaukelpferden.“

Irgendwer lachte lauthals.

„Gibt es eigentlich noch diese Karussellpferdchen? So wie früher auf den Jahrmärkten?“

Nina schluckte. Und kam sich noch nackter vor, als sie schon war. Mit stark angeheiterten Blicken glotzten ihr die Männer auf ihren nackten Körper. Genau zwischen ihre Schenkel. Und … auf ihre feuchte Lustöffnung.

„Meine Herren, bitte …“, verschaffte sich Adam Sanderson der Fünfte würdevoll Gehör. „Wir wollen doch die frischgebackene Braut nicht verunsichern.“

Schon geschehen. Falls die rauen Gesellen gehofft hatten, ihr mit ihrem polternden Eintritt ein gutes Gefühl zu vermitteln, waren sie allesamt kläglich gescheitert.

Sie suchte die Augen von Adam. Er stand wie der sprichwörtliche Fels in der Brandung inmitten all dieser Schränke in Anzügen und musterte sie amüsiert. Wie sie da ausgebreitet auf seinem Ehebett lag. Mit weit geöffneten Schenkeln. Vor all seinen Verwandten.