Die Kemerelle Saga: Die Jungfrau Des Sternenboten


Die Jungfrau Des Sternenboten -


FERN, FERN DER HEIMATLOSIGKEIT

Fern, fern der Heimatlosigkeit … Kemy lächelte und summte das alte Sternenlied, das Milaren ihr beigebracht hatte. Noch immer hallte der raue Klang seiner Stimme durch ihre angeheizten Gedanken und ihr Rücken wand sich unter den süßen Schauern, die sich quälend langsam zu ihrem Schoß hinunter schlängelten.

Beschwingt tänzelten ihre Zehenspitzen über den sternenweißen Sand. Auf einem Strand so weich und hell, dass ihre Augen im Licht der warmen Morgensonnen schier geblendet waren. Und doch schaffte sie es nicht, den sanften Wellen auszuweichen, die unablässig ihre nackten Füße küssten.

Kichernd strich sie sich ihr dunkles, bis zur Taille reichendes Haar nach hinten und konnte gar nicht mehr aufhören, zu lächeln. Zu lebendig waren ihre Erinnerungen an jenen einen Abend vor einundzwanzig Nächten. Am liebsten hätte sie die ganze Welt umarmt. Denn genau jetzt – genau hier auf dieser Insel, an diesem Strand – begann etwas Neues. Ihr Körper wusste es und sie wusste es auch. Doch niemand sonst. Nicht einmal er – Milaren – der Bote, der brennend aus den Himmeln stürzte. Er, „der“ sonst immer „alles wusste“. Milaren, der Unsterbliche …

Sie strich sich über ihren flachen Bauch und verharrte unterhalb ihres Bauchnabels. Eine höchst angenehme Unruhe erfasste ihre Körpermitte und ließ sie sehnsüchtig seufzen.

„Gegen die Einsamkeit, Kemy … gibt es keine Heilung“, hatte er gesagt und was zuerst kalt, hart und endgültig klang, hatte nur gezeigt, dass er zu tieferen Gefühlen fähig war. Zu Gefühlen, die sie veranlasst hatten, herausfinden zu wollen, ob das mit der „Einsamkeit“ und der „Heilung“ wirklich zutraf.

Schmunzelnd löste sie das Kreischbeutlertuch um ihre Hüften und ließ es für den Sonnengruß zu ihren Füßen gleiten. In den Sand zu ihren Zehen. In den Sand, der sich …

Bewegte?

Tatsächlich … Die feinen Sandkörner wurden nach oben geschaufelt und drei winzige, schwarze Knopfaugen lugten hervor.

Eine frisch geschlüpfte Beißmuschel. Die vielleicht Allererste seit dem letzten Doppelvollmond.

Das Tuch entglitt Kemys Fingerspitzen und völlig nackt beugte sie sich hinab, um den Winzling vorsichtig hochzuheben und zu betrachten. Frech stieß der kleine Kerl sein messerscharfes Maul hinaus und wehrte sich mit Leibeskräften. Seine drei dürren Beinchen zogen sich um ihre schlanken Finger zusammen und umklammerten sie.

Wie zerbrechlich dieses winzige Wesen doch war und wie ungewiss sein Schicksal.

Behutsam setzte Kemy die Beißmuschel wieder ab und sah ihr zu, wie sie über den Sand zum Wasser stelzte. Schneller als gedacht wurde sie von einer Welle erfasst und fortgespült. Und noch schneller verschwand sie mit kraftvollen Beinbewegungen im tiefen, klaren Nass in Richtung Riff und offenem Ozean … Als nur eine von Tausenden und Abertausenden, die in den nächsten drei Neumondnächten schlüpfen würden.

Kemy presste die Lippen zusammen und streichelte erneut mit der Hand über ihren flachen Bauch oberhalb ihres schwarz gelockten Venushügels. Ihr Herz klopfte. Ihre sonnenbeschienenen Brüste hoben und senkten sich. Angesichts der Weite des Himmels und der Unermesslichkeit des Meeres kam sie sich klein und unbedeutend vor. Wie die junge Beißmuschel, die gerade dabei war, ihren Platz im Kreislauf des Lebens einzunehmen.

Ehrfürchtig ließ sie ihren Blick über das golden funkelnde Wasser schweifen und …

Bei allen Sternenboten!

Dort draußen war er.

Milaren.

Geschmeidig wie ein Schwimmschnapper kraulte er in den schillernden Wellen. Und für einen Herzschlag sah es so aus, als schwämme er genau auf sie zu. Sie hielt den Atem an. Ewig lange, wie es ihr schien – bis das Lachen mehrerer Mädchen hinter ihr erklang. Hastig drehte sie sich um und die Spitzen ihres Haares streiften die empfindsamen Knospen ihrer Brüste.

„Ach, da steckst du …“

’Kess und die anderen. Leichtfüßig kam ihre beste Freundin herangehüpft und lachte – sich kaum dessen bewusst, dass ihre wie Großballone runden Brüste ungezähmt auf- und abschwangen.

„Was treibst du hier ganz allein am Strand?“ Lächelnd strampelte sie das Tuch um ihre Hüften ab und blickte auf das Meer hinaus. Das kleine Grübchen an ihrem Kinn verlieh ihr etwas Freches. „Oh … Okay … Jetzt weiß ich es.“

Milarens muskulöser Oberkörper erhob sich aus den glitzernden Wellen. Die zahllosen Wassertropfen auf seiner goldgebräunten Haut rangen den anwesenden Mädchen sehnsüchtige Seufzer ab und ließen sie völlig vergessen, warum sie an den Strand gekommen waren. Noch dazu so früh am Morgen.

Mit entschlossenen Schritten watete er durch das hüfthohe Wasser und unvermeidlich wurde sichtbar, was er nabelabwärts zu bieten hatte …

Kemy atmete aus und musste ’Kess nicht sonderlich groß einen Blick zuwerfen, um festzustellen, dass sie es auch gesehen hatte – alles davon. Und ihre Freundinnen ebenso. Die morgendliche „Anbetung der Morgensonnen“ war jedenfalls kein Thema mehr.

„Ah-ha“, bestätigte ’Kess vielsagend und kaute nickend auf ihrer Unterlippe. „Arsch und zugenäht … Ich glaube, ich bin gerade gekommen.“

Lustvoll zog sich Kemys Schoß zusammen und brachte sie dazu, sich zu räuspern. ’Kess hatte nur ausgesprochen, was sie selbst zu fühlen glaubte.

„Du fluchst schon wieder.“

„Was denn?!“, rechtfertigte sich ’Kess. „Ist doch wahr. Wenn das nicht der riesigste Schwanz seit dem Anbeginn von … von ALLEM ist, weiß ich auch nicht.“

Schw… ???

„Du hast zu oft diese verdammten Schriften gelesen.“ Kemy wollte es zwar nicht, gab ihrer Freundin aber insgeheim recht.

„Nicht halb so oft wie du. Außerdem … Wer flucht hier gerade?“

Kemy atmete tief ein und ertappte sich dabei, dass sie es war, die jetzt auf ihrer Unterlippe kaute. „Ja, DER Punkt geht eindeutig an dich.“

Milaren hatte das Ufer beinahe erreicht und sie hatte keinen blassen Schimmer, was sie zur Begrüßung sagen sollte. Oder ob sie überhaupt etwas sagen sollte …

„Spricht er noch immer die ganze Zeit von seiner Himmelsgöttin mit dem flammend roten Haar?“

„Ja …“ Vor allem nachts. Wenn genügend vergorene Hartfäuste im Spiel waren. Aber das war eine andere Geschichte. Kemy seufzte.

„Arsch und zugenäht noch mal – ich möchte auch eine Himmlische sein und wie diese Schlampe zwischen den Sternen wohnen.“ ’Kess zog eine Schnute.

S-Schlampe?? Da-Das war Gotteslästerei.

Milaren hielt den Kopf schief und hüpfte kurz auf einem Bein. Sorgsam schüttelte er seine Ohren aus. Zum Glück hatte er das mit der Schlampe nicht gehört.

„Dann würde ich mich jeden Tag von diesem Prachtkolben durchbürsten lassen.“

Durchbürsten …

„Wie es sich wohl anfühlt, von ihm so richtig durchgebürstet zu werden?“

„Mhm“, machte Kemy und das Luftholen fiel ihr mit jedem Atemzug schwerer. Zarter Schweiß spiegelte sich auf ihrer erhitzten Haut und daran waren eindeutig nicht die drei morgendlichen Sonnen am Himmel schuld. Zumindest nicht nur. Sie brauchte dringend eine Abkühlung. Definitiv. Am liebsten wäre sie einmal quer durch die Bucht und wieder zurück geschwommen – und trotzdem schaffte sie es nicht, ihren Blick von ihm und seinem besten Stück lösen. Wieso konnte sie nicht wie diese eine Heldin in den Schriften errötend zu Boden schauen? Doch das kam ihr irgendwie albern vor. Total unsinnig. Niemand machte so etwas.

„Heilige Mutter – ist das Ding ist groß!! Ich möchte wirklich zu gern wissen, wie es sich anfühlt, wenn es hart und steif in meine Lustgrotte stößt …“

„Ist es tatsächlich … so groß?“ Kemy verschluckte sich. Der größte Schwanz seit dem Anbeginn von allem … War das nicht etwas übertrieben?

„Machst du Witze? Dieses Prachtding ist das größte der ganzen Insel.“

’Kess musste es ja wissen.

„Und du wüsstest das auch, wenn du dich endlich mal trauen würdest.“

„Du denkst also …“

„In jedem Fall.“ Ein beinahe schon lüsternes Lächeln schlich sich auf ’Kess’ Lippen. „Arsch und zugenäht … Ich wünschte mir, dass er mich nachts am Strand vögelt, ohne mich dabei anzusehen. Ohne mich nach meinem Namen zu fragen. Dass er einfach nur hemmungslos seine Lust an mir zu stillt. Mich richtig hart rannimmt – ohne Wenn und Aber. Dass er mit mir macht, was immer er will – und WIE er es will! Und mir genau sagt, was ich zu tun habe.“

Kemy presste ihr Lippen zusammen und atmete angestrengt ein und aus. Ihr Schoß reagierte neuerlich auf ’Kess’ Worte. Quer durch ihr Zentrum breitete sich ein Ziehen aus. Bei ihrer Perle beginnend bis in ihre Brust- und Zehenspitzen.

’Kess grinste schmutzig.

„Und ich möchte dabei von anderen beobachtet werden, während er mich wie ein Tier an sich reißt und sein Ding in mich hineinstößt. Richtig schön tief, hart und fest!“ Ihre Stimme bekam einen lustheiseren Unterton. „Vielleicht gesellt sich dann noch ein weiterer Mann hinzu. Oder …“

Kemys Schoß lief aus. Ihre Klit pochte wie von Sinnen.

„Warum probierst du es nicht aus?“, hörte sie sich sagen und hatte urplötzlich einen Kloß im Hals.

„Wie stehe ich denn dann da?“, kicherte ’Kess. „Als eine weitere von Hunderten Frauen, die er verschmäht hat? Sicher nicht. Ich habe einen Ruf zu verteidigen.“ Sie warf sich in eine Pose, die jeden gesunden Mann um den Verstand brachte.

Milaren hielt das Gesicht in die Sonnen und ließ sich trocknen. Er stand da, als würde nichts und niemand außer ihm existieren. Zumindest so lange, bis ein störender Ruf den Strand entlang schallte.

„’Der alles weiß’!! ’Der alles weiß’!!!“

’Tschow.

Auf einem Bein hüpfte er über den Sand und seinem schmerzerfüllten Gesichtsausdruck nach zu urteilen, litt er gerade Höllenqualen.

„Dein nerviger Idiot von kleinem Bruder“, murmelte ’Kess und verdrehte vielsagend die Augen.

„Dein nerviger Idiot von einem Freund“, entgegnete Kemy und ging auf ihn zu. Offenbar brauchte er Hilfe. Oh Mann, was hatte er jetzt nur wieder angestellt??

„Der alles weiß!“ ’Tschow ruderte mit dem Arm und humpelte heran. Einer seiner Zehen stand in einem grotesken Winkel ab. Milaren wandte den Kopf und hob fragend den Blick.

„Ich … Ich glaube, ich habe mir den Zeh gebrochen.“

Ach nein?!

„Tz“, schnaufte ’Kess und Kemy war versucht, ihr abermals recht zu geben. Wie hatte er das nur wieder geschafft??

Sie nahm ihn am Arm und stützte ihn, um ihm die letzten Schritte zu helfen. Und er machte ausgiebig davon Gebrauch.

„Mensch! Jetzt mach dich mal nicht so schwer, du Idiot.“

’Tschow blickte ’Kess in die Augen und seine verbissene Miene hellte sich urplötzlich auf. Er strahlte über das ganze Gesicht. Die Schmerzen schienen auf wundersame Weise wie weggeblasen zu sein – zumindest, bis er ein weiteres Mal mit dem verletzten Fuß auftrat und ein wehleidiges Knurren seine Lippen verließ.

„Lass mal sehen“, verlangte Milaren ruhig und einmal mehr verlor sich Kemy in der herrlichen Melodie seiner Stimme – einer Stimme mit Ecken und Kanten. Seine Worte klangen so anders als die all der anderen Männer. Sie hatten etwas Beruhigendes. Etwas Felsenfestes … Als würde er quer durch alle Zeiten mit ihnen sprechen. Vom großen Anbeginn. Als hätte er alles schon einmal gesehen und erlebt – was wahrscheinlich auch stimmte.

’Tschow biss die Zähne zusammen, während Milaren prüfend seine Zehen abtastete.

„Ich muss mir das genauer ansehen. Komm hinüber zu meiner Hütte. Kannst du gehen? Sonst bitte die Mädchen, dir zu helfen.“

Kemys Herzschlag setzte aus. Sein Blick kreuzte sich mit ihrem und … Bei Soleter – seine Augen … Sie waren wie der Himmel und das Meer. Genauso blau und genauso unendlich tief. Ein Hauch von Ewigkeit wehte ihr entgegen. Und sein Haar … Die Sterne höchstselbst hatten ihn gezeugt!

„Wenn ich es nicht besser wüsste, Kemy, würde ich wieder einmal behaupten, dein Bruder hat sich mit Absicht verletzt.“ Er zwinkerte selbstsicher und lächelte zum Verlieben. Das Schlucken fiel ihr mit einem Mal unsagbar schwer. Ihr Schoß spielte komplett verrückt – alle Erdsterne in ihrem Bauch stoben wild durcheinander – und ihre Perle pochte hemmungslos. Am liebsten hätte sie sich an seine kräftigen Muskeln geschmiegt. An seine breiten Schultern …

„Na? Was gibt es da zu glotzen, Mädels?“, rief er grinsend in Richtung der anderen Handvoll schnatternder Mädchen und Kemys Schoß machte neuerlich einen Satz. Ihr war ein weiteres Mal, als würde sie völlig auslaufen. Und ohne hinsehen zu müssen, wusste sie, dass ihre Schamlippen klatschnass waren. Ihr Blick fror an den glitzernden Wassertröpfchen auf seinem strammen Po fest.

Was es da zu glotzen gab? Sehr, sehr viel. Und das wusste er auch. Einem jeden dieser Mädchen gingen ähnliche Gedanken durch den Kopf. Und eine jede von ihnen hätte alles aufgegeben, um mit ihm zusammen sein zu können. Er hätte nur ein Wort sagen müssen – er zog es jedoch vor, seiner Wege zu gehen.

Dankbar stützte sich ’Tschow auf ’Kess’ schmale Schulter und schmachtete sie an. Klebte mit seinen Augen geradezu an ihren geschwungenen Lippen und ihren zwei … Großballonen. Und es war ihr nicht im Geringsten unangenehm. Im Gegenteil. Da flogen definitiv Funken! Die beiden sahen aus, als wollten sie jeden Augenblick übereinander herfallen.

„Soll ich euch allein lassen?“, schnappte Kemy ärgerlich und hätte am liebsten seinen Arm von ihrer Schulter abgeschüttelt. Offenbar war sie ja total überflüssig.

„Hey, wir sind nur gute Freunde“, kam es von ’Kess empört zurück.

„Na sicher doch“, schnaufte Kemy. „Und ich bin eine gefallene Himmelsbotin von einem anderen Stern.“ Sie verstand selbst nicht, warum sie plötzlich so wütend war. Vielleicht weil Milaren es immer wieder schaffte, sie völlig aus dem Gleichgewicht zu bringen. Oder vielleicht, weil sie sich auch sehnlichst wünschte, was für ’Kess und ihren Bruder in greifbarer Nähe lag. Oder weil ihr Schoß wieder einmal wie von Sinnen pochte. Oder … Oder …

Oder!

Bei Soleter, warum musste sie sich ausgerechnet in einen unsterblichen Himmelsboten verlieben? Es gab schließlich noch andere Männer auf der Insel. Über fünfhundert – und jeder von ihnen wollte SIE. Es verging kein Tag, an dem sie nicht ein Angebot bekam.

Wortlos folgten sie Milaren, der zwischen den hohen Palmen verschwand. In den verschlafenen Morgengesang der Kreischbeutler. In Richtung der Hütten des Dorfes.

Sie seufzte missmutig und biss eisern die Zähne zusammen. Doch ’Tschow hatte sie längst durchschaut.

„Er wird nie einer von uns sein, Kemy. Wie sehr du es dir auch wünschst.“

Ja … Da hatte er wahrscheinlich recht. So war es immer gewesen. Seit dem Anbeginn. Das hatte schon Großmutter gesagt. Aber was sollte sie tun, wenn sie so empfand? Ob Milaren wusste, wie gut er aussah, wenn er lächelte?

Sie wollte, dass er sie wahrnahm und als die erkannte, die sie war. Das konnte sie schaffen. Und sie würde es auch schaffen.